Lackierung eines GFK-Bootes – Teil I: Planungsphase

18 Nov

Aus gegebenem Anlass widme ich mich in diesem Beitrag dem Thema Boots-Lackierung und den leider sehr aufwendigen Vorarbeiten eines solchen Vorhabens.

Eigentlich bin ich ja ein Freund der Aufarbeitung von GFK bzw. Gelcoat (zu diesem Thema werde ich noch einen ausführlichen Bericht schreiben), da der Zustand des Gelcoat jedoch sehr schlecht war, musste ich mich damit anfreunden mein Boot neu zu lackieren.

Ein Boot zu lackieren ist keine Arbeit die man mal eben zwischen Tür und Angel an einem Wochenende durchzieht. Ihr solltet Euch Zeit nehmen und gut darauf vorbereiten. Ca. 90% der Arbeitszeit gehen für die Planung und vor allem die Vorarbeiten drauf, denn die Lackierung an sich ist das kleinere Übel. Daher gehen wir die Sache mal chronologisch an, von der Planungsphase über die Vorarbeiten, die Grundierung, bis hin zur Lackierung.

Planungsphase

Rollen oder Spritzen

Zuerst muss man sich in Ruhe überlegen, ob man eine Roll- oder Spritzapplikation durchführen möchte. Mit beiden Varianten lassen sich bei korrekter Anwendung gute Ergebnisse erzielen, wobei sich mit der Spritzpistole i.d.R. eine glattere und gleichmäßigere Oberfläche herstellen lässt und die Grundierung & Lackierung deutlich schneller von der Hand geht.

Allerdings spielen bei der Entscheidung mehrere Parameter eine Rolle:

  • Kann ich mit einer Spritzpistole umgehen, oder kenne ich jemanden der mir behilflich ist?
  • Steht mir eine geeignete Lackierkabine bzw. Halle zur Verfügung, die eine Spritzapplikation zulässt, ohne andere Boote, Autos bzw. die Nachbarschaft mit Sprühnebel einzusauen?
  • Habe ich die Möglichkeit mir das nötige Equipment (Kompressor, Spritzpistole und co) auszuleihen?
  • Welche Ansprüche stelle ich an das Ergebnis?
  • … und vieles mehr!

Ich habe mich letztendlich für eine Spritzapplikation entschieden und werde daher schwerpunktmäßig auf dieses Verfahren eingehen. Da die Planung und Vorarbeiten bei beiden Verfahren nahezu identisch sind, soll sich dieser Beitrag nicht nur an diejenigen richten, die eine Spritzapplikation planen!

 

Geeigneter Arbeitsplatz

Ich denke den meisten von Euch dürfte klar sein, dass eine Lackierung – egal ob Roll- oder Spritzapplikation – nich im Freien durchgeführt werden sollte und darf. Natürlich kann man das machen, aber bedingt durch Pollenflug, Insekten, Staub, spontan eintretendem Regen, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, etc., solltet Ihr für ein gutes Ergebnis einen geeigneten Arbeitsplatz in einer Halle finden. Im Idealfall natürlich eine DIY Lackierkabine, aber diese sind meist sehr teuer, sodass sich die Eigenlackierung kaum noch rechnet. Ich habe daher nach einem halbwegs sauberen und bezahlbaren Hallenplatz gesucht und bin letztenendes in einer Hobbywerkstatt fündig geworden. Dort wurde mein Arbeitsbereich mit großen Planen vom Rest der Fläche abgeschottet, sodass keine Maschinen und Autos durch den Sprühnebel verunreinigt wurden.

Falls Ihr absolut keine Möglichkeit habt in einer Halle oder Lackierkabine unterzukommen, kann man auch über eine Einhausung im Freien nachdenken. Mit Holzbalken, Planen und ggfls. einer Absauganlage lässt sich mit etwas Aufwand eine Outdoor-Lackierkabine realisieren. Anfangs habe ich ebenfalls mit dem Gedanken gespielt eine solche Konstruktion aufzubauen, jedoch hätte sich dieses Vorhaben nicht gelohnt, da mich alleine das Material deutlich mehr gekostet hätte als die Hallenmiete. Wer jedoch günstig an Holzbalken kommt, kann sich durchaus überlegen eine eigene Lackierkabine zu bauen. Das kann unter Umständen den zeitlichen Druck etwas mindern, da man nicht binnen x Tagen schnell wieder aus der Halle muss und im Idealfall sogar vor der Haustür arbeiten kann.

Arbeitsplatz

 

Lack

Habt Ihr Euch für eines der beiden Lackierverfahren entschieden, müsst Ihr nun einen geeigneten Lack für Euer Projekt finden und sämtliches Zubehör und Verbrauchsmaterial beschaffen. Wie schon zuvor erwähnt, bezieht sich dieser Bericht auf eine Spritzapplikation, grundlegende Dinge sind jedoch für beide Varianten gleich.

Die Wahl des Lacks ist eine Philosophiefrage. Der eine schwört auf Hempel, der nächste auf International, und manch einer verwendet Standard-Autolack. Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und stundenlange Berichte in diversen Foren gelesen. Um es kurz zu fassen: Ich habe mich aufgrund vieler positiver Berichte und des sehr guten Preis-/Leistungsverhältnisses für den PU-Boots-Lack von Epiform entschieden. Das Material ist deutlich günstiger als das der großen nahmhaften Hersteller und schnitt bei vielen Erfahrungsberichten sogar besser ab, was das Verlaufverhalten, die Verarbeitung und Robustheit betrifft. Der Lack eignet sich sowohl zur Verarbeitung mit der Rolle, als auch zum Spritzen. Achtet bei der Bestellung auf den richtigen Härter! Es gibt einen verzögerten Härter für die Rollapplikation (der Lack zieht nicht so schnell an und verläuft somit besser) und einen schnellen Härter für die Spritzapplikation (zieht sehr schnell an und fixiert somit die lackierte Fläche). Bei einer Rollapplikation sollte man sich überlegen den „Anti-Schaum-Zusatz“ zu verwenden. Dieser verhindert die Bläschenbildung und macht das anschließende Verschlichten u.U. überflüssig. Da ich schon vor einiger Zeit die Kajüte meines Bootes restauriert habe, durfte ich dieses Produkt und den Lackzusatz bereits mit der Rolle ausprobieren und bin recht positiv überrascht gewesen.

Vor einer Beschaffung müsst Ihr unbedingt die zu lackierende Fläche ermitteln um die Lackmenge bestimmen zu können. Ich habe mir die Mühe gemacht und jede kleine Fläche des Aufbaus abgemessen, um dann die Gesamtfläche berechnen zu können. Ich denke die eine Stunde sollte man investieren… Am besten funktioniert das mit einer weiteren Person als Schriftführer, um nicht jedes Mal zwischen Zollstock und Notizblock wechseln zu müssen. Für den Rumpf gibt es ja nach Boot (Verdränger oder Gleiter) entsprechende Berechnungsformeln und Online-Rechner im Internet. Habt Ihr die Gesamtfläche ermittelt, müsst Ihr in die Datenblätter des jeweiligen Lackherstellers schauen und dort den Verbrauch pro m² bei entsprechender Schichtstärke herausfinden. Mit diesem Wert könnt Ihr nun ziemlich genau die benötigte Lackmenge berechnen. Zur Sicherheit solltet Ihr jedoch lieber eine Dose mehr bestellen, denn nichts ist ärgerlicher als während des Lackierens festzustellen, dass die Menge nicht ausreicht! Und natürlich dürft Ihr nicht die Verdünnung vergessen. Man sollte zwingend die vom Lackhersteller vorgeschriebene Verdünnung verwenden und nicht mit Universalverdünnung arbeiten. Bei einem Mischverhältnis von 5-15% kann man nach Berechnung der Lackmenge auch die Menge der Verdünnung grob kalkulieren.

Ich komme bei meinem Vorhaben auf ca. 16m² zu lackierender Fläche (nur der Aufbau) und rechne sicherheitshalber mit 18m². Angegebener Verbrauch pro m² bei 40 my Schichtstärke ca. 120g. Bei zwei Schichten Grundierung (EP811) wird man realistisch nicht auf insg. 80my kommen, Epiform hat daher empfohlen, mit ca. 180-200g Verbrauch pro m² zu rechnen (und da ist sogar noch ein guter Puffer drin).

Bei dem Decklack (EP905) sieht die Kalkulation ähnlich aus. Verdünnt wird mit EP160, ca. 5-15% je nach Bedüsung, max. 20%. Jedoch wird es dann schon gefährlich was die Aushärtung betrifft.

Lack

 

Verbrauchsmaterial und Zubehör

  • Lackier-Maske
  • Lackier-Anzug
  • Arbeitshandschuhe
  • Säurebeständige Handschuhe
  • Schleifpapier (Delta, Exzenter und Bögen)
  • Schleifmaschine/n
  • Schleifblock
  • Kompressor
  • Langer Druckluftschlauch
  • Spritzpistole (Auf die Bedüsungsvorgabe des Lackherstellers achten!)
  • Ausblaspistole
  • Staubbindetücher
  • Staubsauger
  • Aceton
  • Alte Lappen
  • Eimer
  • Mischbehälter für Lack
  • Verdünnung (Universalverdünnung zum auswaschen des Werkzeugs)
  • Fusselfreie Tücher
  • Gutes Klebeband
  • Lackrolle und Bügel
  • Abdeckfolien
  • Spachtelmasse
  • Japanspachtel
  • Halogenstrahler bzw. sonstige gute Beleuchtung
  • Und diverses Standard-Werkzeug

Maske

 

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Lackierung eines GFK-Bootes – Teil II: Vorarbeiten