Lackierung eines GFK-Bootes – Teil III: Grundierung & Lackierung

9 Dez

Wenn Ihr es bis hier hin geschafft habt, könnt ihr Euch entspannt zurücklehnen und ein kühles Bier genießen! Den größten und unangenehmsten Teil der Arbeit habt Ihr nun hinter Euch!

Die Grundierung sollte natürlich direkt im Anschluss an die Reinigungsarbeiten erfolgen. Plant Ihr erst in ein paar Tagen damit zu beginnen, sollte der letzte Step der Vorbereitung (siehe: Lackierung eines GFK-Bootes – Teil II: Vorarbeiten) erst kurz vor dem Spritzvorgang erfolgen.

Wie schon im ersten Teil beschrieben, habe ich mich für das Produkt EP811 von Epiform entschieden, da diese Grundierung bzw. dieser Filler bereits weiß gefärbt ist und somit bei der Lackierung später nicht mehr durchschimmert (Das soll keine Schleichwerbung für Epiform sein, natürlich gibt es viele Marktbegleiter wie International, Hempel, usw.). Das macht es beim Spritzen zwar etwas schwerer zu erkennen, wo schon ausreichend Schichtstärke aufgetragen worden ist, aber dafür habt Ihr hinterher ein tolles Ergebnis und spart Euch u.U. eine Lackschicht.

Grundierung


 
PumpeBevor es los geht, solltet ihr in Ruhe überlegen wo ihr anfangt und welche Wege ihr beim Spritzen geht. Da ich leider nicht die Möglichkeit hatte in einer Lackierkabine zu arbeiten, habe ich kurz vorher den Boden und die Wände der Halle nass gemacht, um den Staub ein wenig zu binden, sodass er durch die Druckluft der Lackierpistole nicht aufgewirbelt wird und sich auf den frischen Lack legt.

Ein ganz wichtiger Punkt ist zudem die Ausleuchtung des Arbeitsbereichs. Wir haben mehrere Strahler auf allen Seiten aufgestellt um Schatten auf der Arbeitsfläche zu vermeiden. Zudem empfehle ich Euch eine Lackrolle bereit zu halten. Sollte während des Spritzvorgangs Läufer entstehen, könnt Ihr diese mit der Rolle direkt ausbessern.

Wenn Ihr nun mit allen Vorbereitungen fertig seid, schlüpft in Euren Ganzkörperanzug und legt Eure Masken an. Die Grundierung und Lackierung sollte immer mind. zu zweit erfolgen. Einer lackiert, der andere arbeitet zu… Lack anmischen und auffüllen, ggfls. Lampen ausrichten oder halten, Leiter verschieben, Druckluftschlauch nachziehen, usw. Bevor Ihr damit beginnt Euer Boot zu lackieren, müsst Ihr die Lackierpistole auf den Lack einstellen und ggfls. das Mischungsverhältnis Lack/Verdünnung noch anpassen. Für diesen Zweck habe ich ein paar alte Pappen aufgestellt, um dort das Spritzbild testen zu können.

Probespritzen

Dann kann es jetzt mit dem ersten Spritzdurchgang losgehen… und immer schön darauf achten, dass der Druckluftschlauch nicht über die frisch lackierten Flächen rutscht, an dieser Stelle kommt der Zuarbeiter ins Spiel.

Seid Ihr damit fertig, kann i.d.R. je nach Lack und Bootsgröße direkt die zweite Schicht aufgetragen werden. Epiform schreibt in seinen Datenblättern, dass die Grundierung nass in nass nach ca. 60 Minuten erfolgen kann, max. nach 24 Stunden, da sonst ein Zwischenschliff erforderlich ist. Wir haben zwischen der ersten und zweiten Schicht eine kurze Pause eingelegt und anschließend direkt die zweite Schicht aufgetragen.

Die Anzahl der Schichten richtet sich vor allem nach der Bedüsung der Spritzpistole und der Beschaffenheit der Oberfläche. Mit einer großen Düse könnt ihr logischerweise mehr Material aufbringen als mit einer kleinen Düse. Epiform empfiehlt eine Düse der Größe 2,0 +/- 0,2 für die EP811 Grundierung. Mit dieser Bedüsung lässt sich relativ viel Material auftragen, womit wir in zwei Spritzdurchgängen eine ausreichende Schichtstärke hinbekamen und selbst nach dem ersten Durchgang alle Schleifspuren geebnet wurden.

Seid Ihr mit dem zweiten oder dritten Durchgang fertig, heißt es jetzt erst einmal „Pause“. Die Grundierung sollte nun 2-3 Tage aushärten, bevor es mit dem Zwischenschliff losgehen kann.

Grundierung
 

Zwischenschliff

Mittlerweile sollten ein paar Tage verstrichen sein und Ihr nähert euch immer mehr dem Ende der ganzen Aktion.

Für den Zwischenschliff verwendet Ihr je nach Anspruch an das Endergebnis am besten eine Körnung von 240 – 400. Mir wurde geraten eine möglichst feine Körnung zu wählen, jedoch habe ich mich für einen Nassschliff mit 240ér Korn entschieden und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden! Aber wie ich schon sagte, je feiner, umso besser das Ergebnis.

Während des Zwischenschliffs werdet Ihr möglicherweise noch die ein oder andere Spachtelstelle finden die noch nachbearbeitet werden muss. Bei mir waren es zum Glück nur zwei, drei ganz kleine Stellen die ich in dem Zuge noch schnell gespachtelt habe.

Mittlerweile sollte Freude aufkommen… das letzte Mal schleifen 😉

Seid Ihr mit dem Schliff und den Ausbesserungen fertig, müsst Ihr nun wie schon in Teil II beschrieben noch einmal gründlich reinigen. Zunächst mit Wasser den Staub abwaschen (habe ich zum Teil schon während des Nasschliffs grob erledigt), dann mit Aceton oder einer Wasser-Aceton-Lösung und zum Schluss mit Staubbindetüchern.

Ganz wichtig ist es nun noch einmal neu abzukleben, oder die Folien aufzudoppeln!

Der Lack, der sich auf den Folien abgesetzt, hat wird sich durch die Druckluft der Lackierpistole beim lackieren ablösen und auf die lackierte Fläche legen. Sehr unschön, das wollen wir auf keinen Fall. Es ist zwar mühsam und macht keinen Spaß, aber bitte nicht an diesem Arbeitsschritt sparen, sonst versaut Ihr Euch das gesamte Ergebnis.
 

Lackierung

Ist alles neu abgeklebt, vorbereitet, und staubfrei, könnt Ihr nun den letzten Step angehen und Euer Boot lackieren. Im Grunde unterscheidet sich dieser Vorgang kaum von der Grundierung, weshalb ich hier auch nicht noch einmal auf jeden Schritt eingehen werde. Lediglich die Bedüsung ist zu beachten! Bei dem von mir verwendeten EP905 Lack schreibt der Hersteller eine Bedüsung von 1,8 +/- 0,2 vor. Je glatter und besser das Ergebnis hinterher sein soll, je kleiner sollte auch die Düse sein. Dementsprechend erhöht sich auch die Anzahl der nötigen Schichten. Ich habe mich für eine Bedüsung von 1,7 entschieden und eigens dafür eine neue Lackierpistole gekauft. Wer eine noch glattere Oberfläche möchte, sollte in Richtung 1,4 gehen und dann dementsprechend mehrere Schichten auftragen. Mit der 1,7ér Düse konnten wir in zwei Durchgängen die Schichtdicke gemäß Herstellervorgabe aufbringen und ein gutes Ergebnis erzielen. Aber an dieser Stelle möchte ich auch ganz ehrlich sein. Wer eine Oberfläche wie bei einer professionellen Autolackierung erzielen möchte, sollte wohl eher eine kleinere Düse verwenden und 3,4 oder sogar 5 Schichten auftragen. Dann wieder einen Zwischenschliff durchführen, neu abkleben und wieder lackieren, oder mit Klarlack arbeiten. Zum Schluss würde dann erneut geschliffen und poliert. Das fand ich für meine alte Lady dann aber doch etwas übertrieben und habe mir diese Arbeit erspart. Schließlich wird niemand mit der Lupe vor meinem Boot stehen und die Oberfläche im Detail begutachten.

Lackierung

Seid ihr mit der Lackierung durch, heißt es auch nun wieder ein paar Tage Pause einlegen. Nach meiner Erfahrung war der Lack nach einem Tag handtrocken, ließ sich aber mit dem Fingernagel noch leicht eindrücken. Erst nach drei Tagen war der Lack hart, aber auch da habe ich mich noch nicht getraut ihn stark zu belasten bzw. gar zu betreten. Da ich das Boot zu mir nachhause holen wollte um dort wieder alle Anbauteile zu montieren, habe ich es nur an den Wasserski-Ösen und vorne an der Bugöse verzurrt. Auf keinen Fall würde ich jetzt schon einen Spanngurt über das Boot legen und den Lack derart belasten. Für die kurze Strecke war meine Sicherung absolut ausreichend und ich konnte das Boot bedenkenlos auf dem Trailer zu mir ziehen.

Falls Ihr Euch aufgrund der Bilder fragt, warum ich nur den Aufbau lackiert habe und nicht gleich das ganze Boot… Zum einen hätte ich Rumpf und Aufbau sowieso getrennt voneinander lackieren müssen, da ich mir durch den Sprühnebel sonst die ganze Fläche versaut hätte .Zum anderen war die Arbeiten wie Demontage, Schleifen, Lackieren, neue Fenster, Anti-Rutsch-Belag usw. dermaßen zeitaufwendig, dass ich 2015 nicht mehr ins Wasser gekommen wäre, wenn ich Rumpf und den Aufbau lackiert hätte. Im Frühjahr 2016 ist dann aber auch der Rumpf an der Reihe, sodass meine Lady rundum in neuem Glanz erstrahlt 🙂 In dem Zuge wird dann alles poliert und gewachst.

Ich hoffe, dass Euch dieser Beitrag eine gute Übersicht bietet und der ein oder andere davon vielleicht ein bisschen profitiert. Hinterlasst mir gerne Kommentare mit Anmerkungen, Erfahrungsberichten oder auch Kritik an meiner Vorgehensweise 🙂 Nobody is perfect!