Bugspriet Eigenbau

24 Aug

Jeder der schon mal mit dem Bug zur Pier in einer Box oder an Moorings festgemacht hat, wird sich wohl sehnlichst einen Bugspriet gewünscht haben. So erging es auch mir, denn nicht alle Marinas sind mit Seitenstegen ausgestattet.

Aber nicht nur das Betreten des Bootes war unkomfortabel, auch war es jedes Mal ein Akt, den Anker samt Kettenvorlauf und Leinen aus der Kajüte zum Bug und wieder zurück zu schleppen.

Aus diesem Grund stand für mich eines fest: Ein Bugspriet muss her!

Lange Zeit habe ich im Internet recherchiert und festgestellt, dass ein robuster und funktionaler Bugspriet ab 500€ aufwärts kostet, wobei es nach oben hin kaum Grenzen gibt. Da aber auch ein fertiger Bugspriet i.d.R. noch an das Boot angepasst werden muss, entschied ich mich für einen Eigenbau, der sich in meinem Fall für ca. 100€ Materialkosten realisieren ließ. So war es mir möglich, den Bugspriet in der Länge und Breite genau an meine Bedürfnisse anzupassen und dabei noch eine Menge Geld zu sparen.

Ich möchte Euch daher in diesem Beitrag eine kleine Übersicht und ein paar Tipps für den Selbstbau eines Bugspriets an die Hand geben.

IMAG0137

 

Was wird benötigt?

Material:

Aufgrund des Einsatzes im Salzwasser, sollten alle Metallteile aus seewasserbeständigem V4A Edelstahl sein. Wirklich alle! Ist nur eine Unterlegscheibe aus normalem Stahl wird euch an dieser Stelle nach kürzester Zeit die „Rostbrühe“ herunterlaufen.

  • Edelstahlrohr
  • Edelstahlstreben (Flachstahl)
  • Edelstahlbeschläge
  • Edelstahlbolzen
  • Edenlstahl-Schrauben, -Unterlegscheiben und -Muttern
  • Teakholz o.ä.
  • Ankerrolle

Werkzeug:

  • Handkreissäge
  • Stichsäge
  • Winkelschleifer
  • Bohrmaschine
  • Standbohrmaschine
  • Schraubendreher, Ratsche, und div. Standardwerkzeuge.

Für den Bau des Bugspriets ist es hilfreich wenn Ihr einen Schlosser kennt, oder selbst eine Biegebank und ein WIG-Schweißgerät besitzt.

IMAG0107

 

und los geht´s…

Zunächst einmal solltet ihr das Rohr entsprechend euren Anforderungen biegen bzw. biegen lassen. Dabei habe ich die Enden absichtlich ca. 10-15cm länger gelassen um den Bugspriet an das Boot anhalten zu können und so einen Eindruck zu bekommen, welche Länge optisch zum Boot passt und wie weit der Bugspriet herausragen darf, sodass sich die Kofferraumklappe des Zugfahrzeuges noch öffnen lässt.

Im Idealfall besorgt ihr euch direkt poliertes Edelstahlrohr, denn das erspart einiges an Arbeit! Da ich das Rohr von einem Bekannten als Rohmaterial bekommen habe, musste ich es noch schleifen und polieren. Ohne Rohrbandschleifer macht diese Arbeit wirklich keinen Spaß und steht eigentlich in keinem Verhältnis zum etwas teureren, bereits polierten Rohr.

IMAG2340

Ist das Rohr gebogen und poliert, müsst ihr euch überlegen, wie die Verstrebung für eure Bedürfnisse am besten angeordnet werden sollte. Ich habe mich für eine asymmetrische Halterung des Ankers entschieden, damit ich die Stützstrebe zum Bug mittig anbringen konnte. Falls ihr eine Ankerwinsch am Boot verbaut habt, sollte die Halterung des Ankers mit einem Kippmechanismus gebaut werden. Eine solche Wippe lässt sich relativ einfach integrieren und ggfls. auch nachrüsten. Da ich den Anker jedoch von Hand lichte, war dies für meine Bedürfnisse nicht nötig. Nachdem ich mich für eine Anordnung entschieden hatte, wurde der Flachstahl auf die entsprechende Länge zugeschnitten und das gesamte Rohgerüst mit Klebeband auf einer Pappe fixiert, um es anschließend zunächst punkten und dann ordentlich schweißen zu können.

IMAG2545

Für die Positionierung der Ankerhalterung gibt es verschiedene Ansätze, mittig des Bugspriets, seitlich versetzt, oder diagonal nach links oder rechts verlaufend. Auch die Führung ist immer unterschiedlich. Manch einer baut den Anker komplett unter den Bugspriet, manchmal wird der oben aufgelegt und vorne über eine Ankerrolle direkt am Rohr fixiert, oder die Halterung wird halb eingelassen. Ich habe mich für letzteres entschieden und finde diese Lösung sowohl optisch, als auch bei der praktischen Nutzung sehr gut.

IMAG0105

Nachdem alles geschweißt wurde, ging es anschließend an die Anpassung der Länge. Dazu habe ich das Rohgerüst an das Boot angehalten bzw. am Bug fixiert und den Trailer samt Boot an mein Zugfahrzeug angekoppelt. So konnte ich die maximale Länge ermitteln und auch einen Kompromiss zwischen Nutzen und Optik finden (Beachtet dabei unbedingt die Eintauchtiefe eurer Auflaufbremse!!!). Natürlich ist ein langer Bugspriet je nach Bootstyp optisch nicht immer so ideal, allerdings soll er ja auch einen praktischen Nutzen haben, nämlich als Einstiegshilfe und Ankerhalterung. Letzten Endes habe ich ihn so lang gebaut, dass der Anker komplett auf dem Bugspriet aufliegen kann, jedoch nach wie vor die Möglichkeit besteht die Heckklappe meines Zugfahrzeuges im angekoppelten Zustand zu öffnen.

IMAG0123

Die Halterungen am Bug habe ich mir aus dem Bootszubehör besorgt. Diese werden oft zur Befestigung eines Bugspriets, einer Badeplattform und anderen Anbauten verwendet und lassen sich im Winkel gut anpassen. Die Stützstrebe runter zum Bug wurde vorne am Bugspriet verschweißt und unten mit Beschlägen aus dem Bootszubehör verschraubt. Kleiner Tipp: Die meisten Händler vertreiben diese Beschläge für Verdeckaufbauten.

Ich habe mich für einen Beschlag entschieden, der sich durch eine Gewindeschraube in der Länge varierien lässt, sodass man den genauen Winkel zum Boot noch nachjustieren kann (siehe erstes Foto).

IMAG0125

Nachdem das Grundgerüst nun am Boot verschraubt war, ging es an die Zuschnitte des Teakholz. Zunächst einmal habe ich für diesen Zweck Schablonen aus Pappe angefertigt und diese anschließend auf das Holz übertragen. So ist das Risiko recht gering, dass man das gute und teure Teakholz verschneidet.

Der Zuschnitt erfolgte mit einer Tauchsäge, die Rundungen wurden mit einer Stichsäge geschnitten und anschließend noch mit einer Feile und Schleifpapier auf den letzten Millimeter angepasst.

IMAG0133 IMAG0134

 

Die Aussparungen für die Achse der Bugrolle und das Stützrohr, bekommt man mit einem Dremel und Fräsaufsatz und einer Feile präzise zugeschnitten.

Zum Schluss wurde der Bugspriet noch mit Teaköl behandelt, damit die tolle Holzmaserung zum Vorschein kommt und das Holz etwas geschützt ist. Hier scheiden sich jedoch die Geister. Manch einer mag es lieber naturbelassen, was über kurz oder lang zu einer gräulichen Patina führt, die andere Fraktion ölt oder lasiert das Holz. Da ich mit dem Öl schon an meiner Badeplattform positive Erfahrungen sammeln durfte, entschied ich mich für diese Methode.

IMAG0224Im oberen Bild wirkt das Holz noch etwas Hell. Nach ein paar Wochen schaut es aus wie auf dem unteren Bild, was für meinen Geschmack auch besser zum Boot passt.

IMAG0137

Zur Fixierung des Ankers, verwende ich einen Bolzen mit Sicherungsnase, der sich schnell und einfach entfernen lässt. Damit das gute Stück auf See nicht über Bord geht, habe ich ihn mit einem Drahtseil am Bugspriet befestigt. Der Anker wurde an dieser Stelle durchbohrt.

Die Befestigung hat sich als praktikabel und robust erwiesen. Damit der Anker während der Fahrt nicht rappelt, wurde in den Bugspriet noch Schaumgummi eingeklebt.

IMAG0229

So viel zum Baubericht meines Bugspriet. Während des dreiwöchigen Praxiseinsatzes in Kroatien, hat sich die Konstruktion als robust und praktikabel erwiesen. Ich würde ihn nicht mehr missen wollen!

Ich hoffe euch hilft der Beitrag bei euren Projekten weiter und würde mich über Kommentare freuen 🙂

IMAG0228