Diebstahlschutz für Boote, Trailer und Außenborder

28 Okt

So schützt ihr eure Trailer, Außenbordmotoren und Boote gegen Diebe. Kostenlose und professionelle Diebstahlsicherungen im Überblick.

Liebe Leserinnen und Leser,

immer häufiger liest man, dass Boote, Trailer, Tender, Außenbordmotoren, Inventar, oder gleich ganze Gespanne gestohlen werden. Aus diesem Grund habe ich mich mit dem Thema beschäftigt und recherchiert, welche Sicherungsmaßnahmen uns vor Langfingern schützen. Viele Lösungen lassen sich kostenlos oder mit minimalem finanziellen Aufwand umsetzen. Es lohnt sich also mal den Artikel zu lesen 😉

Um euch ein paar Ideen und Anregungen mitzugeben, habe ich eine Liste mit vielen Möglichkeiten zur Diebstahlprävention zusammengestellt. Falls ihr noch weitere Ideen habt, schreibt bitte einen Kommentar am Ende der Seite!

Gleich eines vorweg, es gibt keine 100%’ige Sicherheitsgarantie! Aber eines steht fest, je aufwendiger ihr es dem Dieb macht, umso eher zieht er weiter. Ebenso ist der beste Schutz für einen selbst eine gute Kasko-Versicherung.

Schloss Anhängerkupplung

 


Sicherung des Trailers / Gespanns:

 

1. Kastenschloss bzw. Kupplungsschloss am Zugmaul

Dies ist wohl die gängigste und auch eine der wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung des Trailers gegen das unbefugte Ankoppeln an ein Zugfahrzeug. Kastenschlösser gibt es in verschiedenen Ausführungen und Qualitäten. Angefangen bei den normalen Kästen zum überstülpen im abgekoppelten Zustand, über Kästen mit Schanieren zur Sicherung im angekoppelten Zustand, bis hin zu speziellen Schlössern und Anhängerkupplungen mit integriertem Schließsystem.

Legt lieber ein bisschen mehr Geld an und achtet auf eine Stabile Ausführung und sichere Schlösser. Bei „Vorhängeschlössern“ ist immer darauf zu achten, dass diese einen möglichst kleinen Bügel haben um wenig Angriffsfläche für einen Bolzenschneider zu bieten. Spezielle Schlösser mit hoher Sicherheitsstufe gibt es bei allen bekannten Herstellern.

Ich bin von einem standard Kastenschloss auf eine Speziallösung (Double Lock – Compact Eagle) umgestiegen, die es mir erlaubt, den Anhänger auch im angekoppelten Zustand zu sichern.

WICHTIG: Vor der Abfahrt muss das Schloss entfernt werden!

Ich habe auch schon von Bootseignern gelesen, die gleich das ganze Zugmaul demontieren. Das ist mit Sicherheit eine sehr effektive Maßnahme, aber die Alltagstauglichkeit stelle ich mal in Frage.

2. Parkkralle / Radkralle

Auch wenn nicht alle Versicherungen eine Parkkralle am Trailer vorschreiben, ist dies eine sehr effektive Maßnahme, die zudem eine abschreckende Wirkung hat. Parkkrallen gibt es wie Sand am Meer, doch leider ist ein Großteil der angebotenen Produkte milde ausgedrückt unbrauchbar. Wie man den Test´s und Rezensionen entnehmen kann, lassen sich die günstigen Modelle binnen weniger Sekunden mit primitiven Mitteln öffnen. Daher sollte man unbedingt auf hochwertige Krallen setzen und sich vorher gut informieren. Natürlich klingt es verlockend eine Parkkralle für 29,99€ inkl. Versand zu bestellen, aber sichere Krallen sind nicht grundlos um ein vielfaches teurer. Hier kann man sich aber auch mal auf dem Gebrauchtmarkt umschauen. Lieber eine gute gebrauchte, als neuen Schrott.

3. Trailer / Anhänger anketten

Wenn man die Möglichkeit hat den Trailer an einer Laterne, einem massiven Zaun, Baum oder ähnlichem anzuketten, kann man sich eine relativ preiswerte Diebstahlsicherung „bauen“. Zwar gibt es ummantelte Drahtseile oder Ketten im Handel zu kaufen, da die meisten von euch jedoch sowieso eine Ankerkette im Boot liegen haben, kann man diese auch zweckentfremden und damit am Stellplatz sein Gespann sichern. Hier gilt natürlich: Je dicker die Kettenglieder, umso höher der Schutz. Ketten mit engen Gliedern sind hier von Vorteil, da sie nur wenig Angriffsfläche für einen Bolzenschneider bieten.

4. Reserverad sichern

Wer ein Reserverad am Trailer befestigt hat, sollte dieses zumindest mit einem kleinen Schloss oder einer Kette sichern. Bei meinem Trailer habe ich dazu ein Loch in den Bolzen der Halterung gebohrt und ein Schloss daran befestigt. Das ist zwar kein riesiges Hindernis, hindert aber zumindest den Gelegenheitsdieb, mal eben die Mutter abzuschrauben und das Rad mitzunehmen.

Radkralle

 


Sicherung des Bootes:

 

1. Kabelschloss

Am Steg besteht die Möglichkeit das Boot mit einem Kabelschloss zu sichern. Hierbei handelt es sich meist um ein mit Kunststoff ummanteltes Drahtseil, welches mit einem speziellen Bügelschloss gesichert wird. Manche Versicherungen verlangen dies auch explizit in ihren Versicherungsbedingungen (Bitte prüfen!). Da meine Versicherung mich nicht dazu verpflichtet, verzichte ich darauf, zumal es etwas aufwendig und nicht überall anwendbar ist. Alternativ kann man natürlich auch die vorhandene Ankerkette oder den Vorlauf dazu verwenden und mit einem Bügelschloss am Steg anketten.

2. Lenkradkralle

Die Verwendung einer Lenkradkralle wirkt abschreckend, ist sehr effektiv, relativ kostengünstig und bereitet wenig Arbeit bei der Montage und Demontage. Bei Lenkradkrallen gilt das gleiche Prinzip wie bei der Parkkralle, wobei brauchbare Lenkradkrallen etwas günstiger in der Anschaffung sind.

3. Stromunterbrechung

Die meisten Boote verfügen über einen Batteriehauptschalter der vor dem Start des Motors betätigt werden muss. Das wissen natürlich auch die Langfinger dieser Welt und werden den Schalter schnell finden, denn für gewöhnlich ist er gut und schnell erreichbar.

Um es dem Dieb noch etwas zu erschweren, kann man das Kabel zum Anlasser oder ein Kabel des Zündschlosses noch einmal separat mit einem „geheimen“ Schalter unterbrechen. Das wird man zwar auch irgendwann finden, aber es dauert eben seine Zeit. Diese Maßnahme kostet lediglich ein paar Euro und max. 30 min Arbeitszeit, ist aber sehr effektiv.

Alternativ gibt es im WWW auch 12V Funkschalter für 10-20€, die sich an einer nicht erreichbaren Stelle im Boot verbauen lassen und z.B. dazu genutzt werden können, den Kabelbaum vom Zündschloss zum Motor zu unterbrechen.

4. Alarmanlage

Aus dem KFZ-Bereich gibt es eine Vielzahl von Alarmanlagen die über 12V betrieben werden und mit verschiedenen Sensoren arbeiten. Ein Neigungs- oder Erschütterungssensor macht auf einem Boot natürlich relativ wenig Sinn. Ein Bewegungsmelder in der Kajüte oder der Plicht, oder ein Fenster- und Türkontakt sind jedoch sehr gut geeignet.

Wer ein bisschen mehr Geld investiert, kann sich auch eine Alarmzentrale mit GSM Modul anschaffen und sich via SMS oder Anruf über Alarmierungen benachrichtigen lassen. Solche Systeme sind bereits für unter 100€ im Handel erhältlich.

Bei der Auswahl einer Alarmanlage sollte man darauf achten, dass das System eine eigene kleine „Notstromversorgung“ integriert hat, damit der Einbrecher sie nicht so schnell deaktivieren kann, indem er die Batterie abklemmt. Auch sollte im Schaltschrank eine Verteilung mit Dauerplus und entsprechender Absicherung vorhanden sein.

5. GPS Tracker

Eine sehr effektive Maßnahme im Kampf gegen Diebe sind sog. GPS-Tracker. Ein GPS-Tracker ist ein kleines GPS-Gerät mit einem integrierten GSM Modul, welches auf Anforderung des Eigentümers, oder selbstständig – meist per SMS oder E-Mail – seine Standortdaten übermittelt. Wird das Boot gestohlen, kann der Eigentümer seinen GPS-Tracker anrufen oder per SMS-Befehl dazu auffordern, die aktuelle GPS-Position zu übermitteln.

Zudem gibt es mittlerweile auch Systeme die das sog. Geofencing (Geozaun) unterstützen. Geofencing bedeutet, dass der GPS-Tracker beim Verlassen einer vordefinierten Zone selbstständig Alarm schlägt.

Einen ausführlichen Bericht, wie man für ein paar Euro und sehr geringem Zeitaufwand einen GPS-Tracker „bauen“ kann, werde ich demnächst in einem separaten Beitrag posten.

6. Fehler einbauen

Wer sein Boot längere Zeit nicht bewegt, kann z.B. einen Stecker an der Motorsteuerung abziehen. Das geht sowohl am Außenborder, als auch am Innenborder sehr schnell. Diese Maßnahme ist ziemlich primitiv, aber durchaus effektiv.

Lenkradkralle

 


Sicherung des Außenborders und Hilfsmotors:

 

1. Bolzenschloss

Fest verbolzte Außenborder werden oft mit einem Bolzenschloss gesichert, da viele Versicherungen dies in ihren Bedingungen verlangen. Manche Versicherer sind mittlerweile davon abgerückt, da Diebe nicht mehr davor zurückschrecken, den Spiegel samt Motor aus dem Boot zu schneiden und somit ein erheblich höherer Schaden entsteht. Generell ist ein Bolzenschloss aber eine sinnvolle Anschaffung. Alternativ setzten auch manche Eigner einen Schweißpunkt auf den Bolzen, was natürlich die spätere Demontage etwas erschwert.

2. Außenborderschloss

Außenbordmotoren die mit einer Knebelschraube am Boot befestigt sind (meist die kleineren Modelle oder Hilfsmotoren), lassen sich mit speziellen Außenborderschlössern sichern. Diese Schlösser gibt es in verschiedenen Ausführungen. Meist wird ein Stahlrohr oder Vierkant über die Knebelschrauben gestülpt und mit einem Bügelschloss gesichert. Zudem kann man den Außenborder mit einem Kabelschloss oder einer Kette mit dem Boot verbinden. Ebenso lassen sich kleine GPS-Tracker natürlich auch im inneren eines Außenborders verbauen und wie schon weiter oben beschrieben im Falle eines Diebstahls tracken. Es gibt mittlerweile Geräte, die etwa so groß sind wie eine Streichholzschachtel.

4. Registrierung bei der Wasserschutzpolizei

Einige Dienststellen der Wasserschutzpolizei bieten eine Registrierung des Motors, sowie anderer nautischer Gegenstände an. Bei der Registrierung wird eine eindeutige Nummer in den Motor oder z.B. den Kartenplotter graviert und als Abschreckung ein Hinweis-Aufkleber am Boot oder Motor angebracht. Sollte der Motor oder sonstiges Inventar entwendet werden, lässt sich schnell der rechtmäßige Eigentümer feststellen. Laut einer Studie der Pantaesius Versicherung, verzeichnet man bereits nachweisbare Erfolge. So wurden Boote mit dem entsprechenden Hinweis-Aufkleber bei Diebstahl- und Einbruchsdelikten meist nicht angerührt, während Nachbarboote am Steg aufgebrochen worden sind.

5. Künstliche DNA

Als Alternative zur Gravur kann man auch auf künstliche DNA (kDNA) zurückgreifen. Hierbei handelt es sich um eine Art Lack, der ohne UV-Lampe nicht sichtbar ist. Die künstliche DNA ist wie ein Fingerabdruck absolut einmalig und wird gegen eine geringe Gebühr in einer zentralen Datenbank gespeichert. Ein Markierungsset inkl. Aufkleber und kleiner Lampe bekommt man im Handel für ca. 80€.

 


 

Allgemeine Tipps:

 

Stellt euren Trailer oder euer Boot möglichst auf bewachte Plätzen oder in einer Halle ab.

Wertgegenstände und nautische Hilfsmittel sollten nicht permanent im Boot gelagert werden. Ich habe mir zu diesem Zweck ein paar Kunststoffboxen angeschafft die ideal in meine Staufächer passen. Somit kann ich das ganze Gerödel im Keller lagern und das Boot sehr schnell urlaubsklar machen.

Tender und Hilfsmotoren sollten am Stellplatz oder bei längerer Abwesenheit im Hafen demontiert und mitgenommen werden.

Selbstverständlich gibt es nicht DAS ultimative Mittel und jede einzelne Maßnahme die ich in diesem Beitrag beschrieben habe lässt sich mit dem entsprechenden Werkzeug überwinden. Ein wichtiger Faktor ist jedoch die Zeit. Je mehr Aufwand der Dieb hat, desto eher wird er von eurem Eigentum ablassen.

Ich möchte mich nicht nur auf meine Versicherung verlassen und habe daher einige der hier beschriebenen Optionen im Einsatz. Denn was nützt es mir, wenn mein Boot am Anfang meines Jahresurlaubs gestohlen wird, dass die Versicherung eventuell irgendwann den Schaden ersetzt? Zunächst einmal ist der Urlaub gelaufen und der lässt sich nicht mit Geld ausgleichen.

Vor allem in den Urlaubsregionen wird sehr viel gestohlen. Vorzugsweise kleine Außenborder, aber ich habe auch schon von Skippern gelesen, deren Trailer verschwunden ist, wodurch sie vor dem riesigen Problem standen, das Boot wieder nachhause zu bekommen.